Die Entwicklung der Alpen

Präalpidische Entwicklung


Vor dem alpinen Zyklus wurde Europa durch die variskische Orogenese geprägt. Durch Akkretion von Terranen im Oberdevon bis Unterkarbon entstand das heutige Mittel- und Südeuropa. Dabei bildete sich ein metamorphes Grundgebirge mit variskischen Diorit- bis Granit- Intrusivkörpern. 

Die Öffnung der Prototethys und Paläotethys als back-arc-Ozeane des Panthalassa-Ozeans im Ordovizium/Silur ermöglichte die Ablösung von Avalonia, Armorika, Brabant, Moesia, dem Intraalpinen Terrane und anderen Kontinentsplittern (Stampfli 1996, Stampfli et al. 1991, Smith 1996) (Abb. 1). 600 Millionen Jahre alte Zirkone aus der panafrikanischen Orogenese beweisen, daß der alpine Bereich ehemals zu Gondwana gehörte. Diese Zirkon-Alter findet man nämlich nicht im Laurasia-Basement (Zirkon-Alter von 1.0, 2.1, 2.6 Milliarden Jahre) (Gebauer 1999, Schaltegger & Gebauer 1999). Die abgelösten Terrane wanderten vom Ordovizium/Silur bis Unterkarbon von Gondwana in Richtung Baltica und wurden akkretioniert (Smith 1996, Stampfli 1996). Das Intraalpine Terrane war demnach im Oberdevon bis Unterkarbon ein nördliches Segment der Paläotethys.

Die Paläotethys wurde ab dem Karbon subduziert. Zu dieser Zeit war der größte Teil der Prototethys schon geschlossen. Die Subduktion der Paläotethys erzeugte einen kalkalkalinen Magmatismus am Südrand des Alpinen Terranes. Im Perm folgte Rift-Magmatismus (zum Beispiel Pyrenäen (Bixel 1988), Sardinien, Korsika und Provence (Carmignani et al. 1989, Di Vincenzo & Ghezzo, C. 1992), Briançonnais (Cortesogno et al. 1992), Südalpen (Oberhänsli et al. 1985, Hunziker et al. 1992)).

Es handelte sich bei der Variszidenbildung nicht um eine Kontinent-Kontinent-Kollision zwischen Eurasien und Gondwana (Stampfli 1996). Die Kontinent-Kontinent-Kollision wird durch flyschartige marine Ablagerungen aus dem Karbon bis Unterperm in Spanien, Sizilien, den Karnischen Alpen und auf der Alboran-Platte widerlegt (Sassi & Zanferrari 1989). Folglich kann zu dieser Zeit in diesem Bereich kein Gebirge gestanden haben! Nur ganz im Westen zwischen Afrika und Nordamerika kam es zu einer Kontinent- Kontinent-Kollision, bei der die Appalachen entstanden (Stampfli 1996).

Die Schließung der Paläotethys war diachron. Sie begann im Oberkarbon im Westen von Europa und erreichte in der Untertrias den Iran (Scotese et al. 1979, Ruttner 1993). Durch große dextrale Seitenverschiebungen zwischen Laurasien und Gondwana kam es im Karbon möglicherweise zu einer horizontalen Verdoppelung des südlichen eurasischen Kontinentalrandes. Die Seitenverschiebungen waren notwendig, da die Lücke zwischen Westafrika und dem Appalachen-Gebiet geschlossen werden mußte (Stampfli 1996, Matte 1986). Die dextralen Translationsbewegungen verursachten Südwest-Nordost verlaufende Gräben, die mit terrestrischen Sedimenten und Vulkaniten verfüllt wurden (Trümpy 1998). Ein Klimawechsel im Oberkarbon (Stephan) ist durch einen Farbumschlag von grau zu bunt und einem Übergang von Fanglomeraten zu fluvialen Konglomeraten erkennbar (Trümpy 1998).

Im Perm endete der Kollaps der dicken Varisziden-Kruste. Das anschließende oberpermische Rifting leitete den alpinen Zyklus ein. Die dabei entstandenen Gräben wurden durch grobklastische rote Sedimente und bimodale Vulkanite verfüllt, die zusammen als Verrucano bezeichnet werden.

In der Trias bildete sich durch Subsidenz ein flaches Meer aus. Das östliche Mediterrangebiet war dagegen weiterhin durch Konvergenz und Rifting tektonisch aktiv. Die fortschreitende Subduktion der Paläotethys erzeugte kalkalkalinen Vulkanismus. Außerdem bildete sich im Oberperm ein back-arc- Ozean, der Hallstatt-Meliata-Ozean südlich der heutigen Westkarpaten und östlich der heutigen Nördlichen Kalkalpen (Stampfli 1996). Detritus aus Metaultrabasiten aus der Hallstatt-Meliata-Sutur in Jura- und Kreidesedimenten deutet auf die Existenz dieses ozeanischen Beckens hin (Trümpy 1998). Im Gegensatz zur Meinung von Stampfli (1996) sehen einige andere Autoren (Trümpy 1998, Gawlick et al. 1999) den Hallstatt-Meliata-Ozean nur als ein Randbecken beziehungweise als eine Zunge der Paläotethys oder des Vardar-Ozeans an. Der Vardar-Ozean war nach Gawlick et al. (1999) eine Zunge der Paläotethys und nach Stampfli (1996) ein back-arc-Ozean durch die Subduktion des Hallstatt-Meliata-Ozeans. Auch Channell & Kozur (1997) sind der Ansicht, daß der Hallstatt-Meliata-Ozean mit der Paläotethys verbunden war. Sie begründen dies mit zeitgleicher mitteljurassischer Subduktion im Meliata-Ozean, in dem Pieniny Klippen Belt-Ozean und in der Paläotethys weiter östlich in Bulgarien und in der Türkei.



Abb. 1: Paläogeographische Rekonstruktionen im Paläozoikum (verändert nach Stampfli 1996 und Scotese et al. 1979). Ar, Amorica; Av, Avalonia; Br, Brabant; Ce, Zentraleuropa; Mo, Moesia.




    email an Andreas Ebert         zurück zur Anfangsseite         zur vorherigen Seite         zur nächsten Seite