Strukturgeologie im Gebiet um Zermatt

Alpine Deformationsphasen


Im Kapitel Strukturgeologie im Gebiet um Zermatt werden zuerst die einzelnen alpinen Deformationsphasen erläutert. Anschließend werden die strukturgeologischen Meßwerte beschrieben und interpretiert. Insgesamt wurden zirka 800 strukturgeologische Daten wie Schieferungen, C'-Flächen, Faltenachsenebenen, Knickbänder, Streckungslineationen und Faltenachsen erfaßt. Daneben wurde die Mikrotektonik anhand von über 140 Dünnschliffen untersucht. Dabei wurden bei fast jeder Probe ein Dünnschliff im XZ-, YZ- und XY-Schnitt hergestellt, wobei der XZ-Schnitt senkrecht zur Schieferung und parallel zur Streckungslineation (meist in nordwestlicher Richtung) liegt, der YZ-Schnitt senkrecht zur Schieferung und zur Streckungslineation und der XY-Schnitt in der Schieferungsebene. Außerdem wurde anhand von einigen Proben eine Verformungsanalyse durchgeführt.

Im Folgenden werden die einzelnen alpinen Deformationsphasen im Bereich von Zermatt beschrieben. Einzelne Unstimmigkeiten zwischen einigen Autoren werden diskutiert. Zusammenfassend kann man die Deformationsphasen im Westalpenraum unterteilen in eine D0-Phase mit subduktionsbedingter Deformation, in eine D1-Phase, bedingt durch die Deckenüberschiebung, in eine D2-Phase mit einer West-Flucht verursachten Tektonik, in eine D3-Phase mit der Rückfaltung der Siviez-Mischabel-Decke und einer D4-Phase mit überwiegend spröder Deformation aus der Zeit des Hebung (uplift) und der Abkühlung.

Aus der D0-Phase sind nach STECK (1989) nur L0-Streckungslineationen (L0 = Lineation der Phase D0) mit einer Ost-West-Ausrichtung und einige S0-Schieferungen (S0 = Schieferung der Phase D0) mit Einfallen nach Westen in Hochdruckgesteinen des Täschtals nordöstlich von Zermatt erhalten. Sie spiegeln eine Westbewegung während der Subduktion wider.

Aus der D1-Phase stammt, da sind sich alle Autoren einig, die Hauptschieferung oder -foliation S1 (S1 = Schieferung der Phase D1). Sie wurde durch die Deckenüberschiebung angelegt und liegt parallel zu der Überschiebungsbahn. Die S1-Flächen fallen flach nach Nordwesten ein. Das Überfahren von eozänen Flyschsedimenten der Barrhorn-Serie durch die Mont Fort- , Tsaté- und Dent Blache-Decke (SARTORI 1987) deutet auf eine Platznahme der Decken und Bildung der Schieferung S1 im Obereozän hin. Weitere Deformationserscheinungen aus dieser Zeit sind isoklinale Falten F1 mit bis zu Kilometer großen Amplituden (CARRUPT & SCHLUP 1998, SARTORI 1987, MAZUREK 1986, STECK 1989, KRAMER 2000a,b), welche durch die nachfolgenden Phasen nochmals verfaltet wurden. Bei den Streckungslineationen L1 gehen die Meinungen auseinander. Nach SARTORI (1987) und STECK (1989) stammen die L1-Lineationen, die Nordwest-Südost gerichtet sind, aus der Phase des Deckentransports. Dagegen stellt MAZUREK (1986) Streckungslineationen in der Dent Blanche-Decke mit Nord-Süd- bis Nordost-Südwest-Ausrichtung in diese Zeit. Solche mit Nordwest-Südost-Richtung in der Combin-Zone stammen für ihn aus der D3-Phase. Nach seiner Meinung und der von MÜLLER (1983) und MARTIN (1982) handelt es sich eventuell um rotierte L1-Elemente durch die F3-Rückfaltung.

Die D2-Phase ist geprägt durch große isoklinale F2-Faltung. Sie verfaltete vorherige D1-Strukturen. Nach MAZUREK (1986) und KRAMER (2000a) haben sie Nord-Süd-gerichtete Achsen. Dagegen stellen SARTORI (1987) und STECK (1989) Falten mit Nordwest-Südost-Achsen in diese D2-Phase. Für MAZUREK (1986) stehen diese Falten für letzte Nordbewegungen der Decken. Nach CARRUPT & SCHLUP (1998) spiegeln die F2-Falten die Ost-West-gerichtete dextrale Scherung im Oligozän wider. Nordost-Südwest- ausgelängte Mineralaggregate stammen nach STECK (1989) und SARTORI (1987) aus dieser Zeit.

Die letzte bedeutende Verformung ist die D3-Phase mit der Rückfaltung der Siviez-Mischabel-Decke. Das Resultat ist eine südvergente Antiklinale mit Kilometer-großer Amplitude (SARTORI 1987, MAZUREK 1986, STECK 1989, CARRUPT & SCHLUP 1998). Die Achsen sind Ost-West-gerichtet und tauchen nach Westen ab. Entstanden ist diese Rückfaltung im Oligozän vor 32 Millionen Jahren (CARRUPT & SCHLUP 1986). Wie schon oben erwähnt, legen einige Autoren Streckungslineationen in diese Phase. Nach MAZUREK (1986) wurden L1- in L3-Elemente umgewandelt beziehungweise gedreht. Nach STECK (1989) wurden die L1- und L3-Lineationen verfaltet und es entstanden neue Ost-West-gerichtete L3-Streckungslineationen. Nach SARTORI (1987) reagierte die Dent Blanche-Decke auf die Rückfaltung als spröder Block. Sie wurde als Ganzes nach Süden geschoben und erfuhr deshalb keine Umformung.

Die D4-Phase ist überwiegend durch spröde Tektonik geprägt und ist Zeugnis der Hebung und der Abkühlung.



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